zur Saison 2003/2004
zur Saison 2001/2002
SAISON 2002/2003

TRIER - ST. PAULI 1:2
AHLEN – ST. PAULI 3:2
ST.PAULI - FRANKFURT 1:1
MILLERNTOR-CUP
ST.PAULI - AACHEN 1:4
ST. PAULI - KSC 1:2
BURGHAUSEN - ST. PAULI 1:1
(ER IST DA!)
REUTLINGEN - ST. PAULI 2:0
ST.PAULI - OBERHAUSEN 0:0
MANNHEIM - ST.PAULI 2:5
ST.PAULI - MAINZ 1:4
UNION BERLIN - ST.PAULI 4:2
ST.PAULI - BRAUNSCHWEIG 7:1
LÜBECK - ST.PAULI 6:0
ST.PAULI - AHLEN 1:4 / DER ETWAS ANDERE SPIELBERICHT


 
Trier
oder
Ein bisschen was geht immer
:-)

Wenn sich eine Fahrt in mein Gedächtnis eingebrannt hat, weil sie alles in sich vereinigte, dann ist es wohl diese. Gestartet war ich am Freitag gleich nach der Arbeit, praktisch aus dem Büro gerannt bin ich, um den Metropolitan Express gen Köln zu erwischen, und ich muss sagen, dass dieses Flugzeug auf Schienen für denjenigen, der weder Bier noch Kaffee trinken möchte, immerhin kostenlose nichtalkoholische Getränke zu bieten hat. Neben ausliegenden Zeitungen, grossen Sitzen und Ruhe bekommt man also noch etwas für den doch recht teuren Preis.
In Köln die verbleibenden Minuten bis zum Regionalexpress damit verbracht, aus dem Bahnhof zu laufen und den Dom zu begutachten - leider nur von aussen, denn für mehr reichte die Zeit nicht, aber immerhin mal wieder einen Blick auf dieses beeindruckende Bauwerk geworfen. Ich fühle mich bei so etwas immer ganz klein und bin fasziniert von der Leistung, die Menschen schaffen konnten, denen nicht die Möglichkeiten zur Verfügung standen wie den Baumeistern von heute. Und was haben sie geschafft!
Nach dem erhebenden Anblick war der Regionalexpress dann die Hölle, daher wird das Kapitel übersprungen, und nach einigen Stunden war ich in Trier und im Hotel und in der Bar und knappe anderthalb Stunden später waren die Orangen für die Cocktails dort alle und die Chips ebenfalls und der Barkeeper war glücklich und ich voll und mein Portemonnaie leer und mein Freund musste mich ins Bett tragen... Toll :-)
Samstag war Kultur angesagt und so gingen wir los, um in den Katakomben der römischen Kaiserthermen verschollen zu gehen und zu rätseln, ob durch diese grossen Tunnel nun das Wasser floss oder sich die Römer ergossen und entschieden uns für letzteres. Mein Forscherdrang, die eine oder andere Absperrung zu umgehen und mal zu schauen, was sich dahinter befindet, wurde böserweise rigoros beschnitten, aber so unverständlich ist das ja nicht. Wie soll das Ding noch weitere zwei Jahre stehen, wenn da jeder drauf und drin herumkrabbelt. Und Eidechsen gab's da :-)
Ausserdem einen Besuch wert waren das Amphittheater und das Karl Marx-Geburtshaus. Dieser Abstecher hatte es in sich, da wir schon vor dem Häuschen auf eine Gruppe Asiaten aufmerksam wurden, die sich, jeder einzeln, vor dem Schild des KM-Hauses ablichten liessen, teilweise noch mit einem riesigen Blumengesteck geschmückt, um dann das Haus zu entern und aufgeregt das obere Stockwerk zu erstürmen und dort das Gesteck vor der Büste von KM abzulegen. War schon spannend.
Noch faszinierender war es, deren Eintrag ins Gästebuch zu beobachten - auch wenn jeder, der schreiben kann, seine Sprache schriftlich in den meisten Fällen beherrscht: mit welchem Fluss oder auch mit welcher Ruhe die Namen in chinesischen Zeichen geschrieben wurden fesselte mich noch, als die Chinesen längst gegangen waren.
Abends trafen wir uns mit dem alten Brigadenjungen und Jens irgendwo in den Tiefen von Triers Innenstadt und waren für begrenzte Zeit Teil der Eintracht-Trier-Fan-Feier, auf der neben musikalischen Konserven auch die vergangenen Spiele des SVE Trier auf einer Leinwand dargeboten wurden und dies andächtig von den Anhängern verfolgt wurde. Dort stiess man bereits auf das eine oder andere St. Pauli-Trikot, aber wir zogen dann noch weiter, um gegen Mitternacht wieder im Bett zu landen.

Sonntag, 6. April - ein Datum, das ich mir merke :-)
Nach einem ausgiebigen Frühstück (5-Sterne-Hotel, also ein SEHR ausgiebiges Frühstück ;-) ) wurde gepackt und wir waren noch nicht mal ganz fertig damit, als die erste sms von Beck's verkündete: "Wir sind daahaaa!" Die Busse war also eine Stunde früher in Trier als erwartet, und so fragte Pectoris noch schnell um Erlaubnis, bekam die Genehmigung, und die Meute erklomm den Römer-Express, um damit durch die Stadt zu gondeln. Wir waren gerade auf der Tankstelle, um den Wagen für die Rückfahrt fit zu machen, als das überlaute "Ja, watt denn!" ankündigte, was kommen musste und nicht umgangen werden konnte: eine Horde laut singender und johlender Fussballfans in einem süssen familiengerechten rot-gelb bemalten Bummelwägelchen mit zwei Anhängern zuckelte an uns vorüber und weckte die verschlafene Stadt und kündete von grossen Ereignissen.

Der Treffpunkt Porta Nigra war gut besucht, und die erste Zeit verging mit Begrüssungen all jener, die man nur von Zeit zu Zeit mal zu Gesicht bekommt, weil sie nicht zu jeden Spiel kommen können, und mit Begrüssung der West-Brigade ;-)
Da viele Stunden noch herumzubringen waren, bevor es zum Stadion ging, verkaufte ich Eintrittskarten (vertretungsweise - ich entschuldige mich hier nochmal, falls der eine oder andere Pieper wieder auf keiner Liste stand ;-) ) und irgendwann wurden die Fahnen ausgepackt und Fotos gemacht (der Plan, sie aus den Fensteröffnungen der Porta zu halten, vereitelte der Pförtner, der dafür irgendwie kein Verständnis hatte), später wurde leicht Fussball gekickt und noch etwas später versuchten einige mit einem Ball, was die Jahrhunderte, die Germanen und die Bomben des Krieges nicht geschafft hatten, und glücklicherweise hatten sie ebenso wenig Erfolg: die Porta Nigra hielt auch wiederholten Treffern erfolgreich stand :-)

Als nach etwa vier Stunden die Polizei bemerkte, das Fussballfans in der Stadt waren, ging man ihnen aus dem Weg und zum Stadion.
Und dann kam das Allerbeste eines schönen Wochenendes!
Niemand, mit dem ich vorher geredet hatte, und auch ich nicht, hatte hier in Trier mit irgend etwas gerechnet. Der Satz: "So ein schöner Tag - wenn doch nur das Spiel nicht wäre!" war einige Male gefallen und jeder meinte es so, wie er es sagte.
Aber trotzdem wurden die Fahnen wieder entrollt und die Stangen aus- und die Fahnen aufgezogen, trotzdem war die Kurve voll und die Stimmung ausgezeichnet. Selten habe ich einem Spiel in einer so gelösten Stimmung entgegengesehen (zur Erinnerung: ich musste fahren, am Alkohol lag es also nicht) und selten habe ich es so genossen. Bis zu dem Moment, wo irgendein Dösbaddel meinte, seine brennende Zigarette in die nagelneue Fahne werfen zu müssen, woraufhin sich der Glimmer durch alles fraß und die Fahne nach dem Austreten und Auseinanderzerren beim nächsten Schwenken eine saubere Reihe von Löchern aufwies.
Ignoranten! Das Ding war nun echt nicht zu übersehen, wie es dort lag. Meinen Ärger zügelte Sandra, die sowieso gar nix mehr störte (zur Erinnerung: Sandra musste nicht fahren ;-) ). Dann war das erste Tor schon gefallen und die Mannschaft tatsächlich auf dem Platz, nicht nur körperlich, sondern auch mit Schwung, und man dachte an andere Dinge als die Fahne.
Was war denn das? Erwartet keine fussballkennerischen Details hier, aber: was, bitte, war denn das?! Die Wolken vor dem Hamburger Himmel waren ausser Sicht und die Sonne Triers schien den Jungs die Augen zu öffnen - man erkannte das Tor auf der anderen Seite des Spielfeldes und bewegte sich vehement darauf zu. Der Schiedsrichter allerdings machte dem wiederholt durch Pfiffe ein Ende, vor allem Gruszka bekam sein Fett weg, und auch sonst gab es einige gelbe Karten.

Schrecklicher noch die zweite Halbzeit: die letzten 30 Minuten haben mich sage und schreibe 3 Jahre meines Lebens gekostet, und somit habe ich das magische Alter schlagartig weit überschritten.
Dann fiel das 1:2 und dann war an nichts mehr zu denken, sondern nur noch Anspannung und Zittern und der Wunsch, der Schiri möge doch endlich abpfeifen...
Was er pünktlich und damit viiiiel zu spät tat - und damit war das Wunder vollbracht: 3 Punkte auswärts beim einem Aufstiegs-Aspiranten - unfassbar! Der Jubel war riesig und unseren Spielern, als sie in die Kurve kamen, um sich zu bedanken, sah man die Freude ebenso an wie uns. Wenn die Spieler allerdings auch nur ähnlich erschöpft waren wie ich dürften sie auf der Tour zurück nach HH gut geschlafen haben, denn die Anspannung der letzten Spielminuten fiel mit dem Schlusspfiff ab und zurück blieb ausser Freude auch eine Erschöpfung, die sich nur mit den unglaublich aufreibenden letzten Minuten erklären liess. Oft darf man sowas wirklich nicht mitmachen.
Im Gegensatz zu den glücklichen Spielern durfte ich aber an Schlaf nicht denken, denn die Rückfahrt nach HH stand bevor, und mit Pieper und dem Pauligucker hatte ich mir zwei nette Mitfahrer ins Auto geholt, die aber ähnlich kaputt waren wie ich, zum einen wegen des Spiels und zum anderen, weil sie den Hinweg mit dem FanLaden-Bus gemacht hatten und nachts halb eins aufgebrochen waren, ohne vorher zu schlafen.

Ein kurzer Futterstop bei McDonalds, nachdem wir die Lücke der A1 erfolgreich bewältigt hatten, und ausser den Fragezeichen war im Wagen bald nichts mehr zu hören.
Die Fahrt war angenehm und um 0.00 Uhr waren wir in HH und um 1.00 Uhr war ich zu Hause und fiel ins Bett.
Es bleibt nur zu sagen, dass Überraschungen eine schöne Sache sind und dass, auch wenn die Mannschaft noch längst nicht im grünen Bereich steht (und ich persönlich *hüstel* auch nicht sehr fest damit rechne), kleine Wunder möglich sind. Dieses Wochenende war mein kleines persönliches Trier-Wunder, und ich halte die Erinnerung daran gern fest: eine persönliche Auszeit und Ruhe mit meinem Freund, ein Wiedersehen mit Cliff und den Marburgern und den üblichen Chaoten und dann ein Spiel, das nachwirkt.

Auf ein Neues in Freiburg, Jungs, dann zwar ohne mich, aber alle anderen sind da. Ich ruhe noch aus ;-)

Knuffi

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Ahlen – St. Pauli

Auswärts zu Hause
Früher war alles besser. Ich war höchstens zehn Jahre alt, Twix (wenn es das damals überhaupt schon gab) hieß noch Raider, LR noch TuS, Werse noch Glückauf und Stadion noch Kampfbahn. Mein Vater schleppte mich mit zu einem Fußballspiel, bei dem irgendwelche (Pseudo-)Prominenz gegen, bzw. über den Ball trat, was mich seinerzeit ebensowenig interessierte wie die komplette Sportart Fußball. Ich konnte den TuS-Platz (wie die Glückauf-Kampfbahn im Volksmund genannt wurde) also genauso gleichgültig wieder verlassen, wie ich ihn betreten hatte.
Zwanzig (plus x) Jahre später gestaltete sich der Besuch des mittlerweile umgebauten Stadions gänzlich anders. Ich betrat das Areal zwar wieder in Begleitung meines Vaters, von Gleichgültigkeit oder Desinteresse konnte meinerseits diesmal jedoch nicht die Rede sein. Ich war vielmehr erfüllt von einem vagen Optimismus, den das Frankfurt-Spiel, trotz einiger spielerischer Schwächen, bei mir hinterlassen hatte und der damit zusammenhängenden Hoffnung auf den Klassenerhalt. Als ich wieder ging, befand sich letztere zig Kilometer tief unter Tage, von wo sie auch wohl in dieser Saison nicht wieder ausfahren wird.

Der FC spielte in der ersten Halbzeit, abgesehen von einigen Szenen, die einen an das Sprichwort vom blinden Trinker denken ließen, mehr als miserabel und selbst das Tor zum 2:1 war eher als Zufallsprodukt zu werten. In der zweiten Spielhälfte präsentierte sich St. Pauli als die bessere Mannschaft, so daß das zwischenzeitliche 2:2 sicher gerecht gewesen wäre. Daß das Endergebnis anders lautete ist bekannt und mal wieder auf individuelle Fehler zurückzuführen.
Trotz meiner Enttäuschung gilt es, einige Spieler positiv hervorzuheben: Da wäre zu einen natürlich N'Diaye, der neben Marcao und Inceman als einziger des aktuellen Kaders überdurchschnittlich gut mit dem Ball umgehen kann und das, im Gegensatz zu den anderen genannten, auch effektiv umzusetzen weiß, was auch auf Inceman bald (wieder) zutreffen könnte; zumindest hat er in der Abwehr eines der besten Spiele seiner Post-Aachen-Zeit abgeliefert. Gruszka hat mir ebenfalls recht gut gefallen. Für den Spielaufbau ist er zwar nur bedingt zu gebrauchen (Hat hier einer was von Euphemismus gesagt?), aber als Zerstörer arbeitet er am Prädikat „unverzichtbar". Daß ich meine Ressentiments gegen Fabian Gerber (die übrigens nichts mit seiner genetischen Herkunft zu tun haben) demnächst überdenken muß, ist nicht unwahrscheinlich, wenn ich mich auch vorerst in die Floskel vom sehbehinderten Federvieh flüchte...
Sein Vater ist mir immer noch nicht sympathisch und ich befürchte, im Zusammenhang mit seiner Person und meinem Lieblingsverein, wirtschaftlich immer noch das Schlimmste. Allerdings hat er in Ahlen einmal mehr seine sportliche und sportpsychologische Kompetenz unter Beweis gestellt. Unter den letzten Trainern hätte die Mannschaft (mittlerweile kann man diese Vokabel wohl wieder verwenden) keinen 0:2-Rückstand aufgeholt und seine Umstellungen zur zweiten Halbzeit (Inceman in die Abwehr, N'Diaye in den Sturm) zeugen von seinem Talent, Stärken der Spieler nicht nur zu erkennen, sondern auch gezielt einzusetzen. N'Diayes Wechsel in den Sturm zeigt allerdings überdeutlich das größte Dilemma, in dem er sich befindet: Im aktuellen Kader finden sich keine brauchbaren Stürmer. Entweder die Mannschaft operiert mit dem besten Rechtsaußen seit Wehlage, oder sie hat niemanden, der den einzigen wirklich torgefährlichen Spieler mit Flanken beliefert.

Die Stunden nach dem Spiel gestalteten sich für mich als die übelsten des Tages: Mit der Häme meines alten Herren und seiner Nachbarn (die uns, neben zwei Freunden von mir, die ebenfalls dem FC huldigen, begleiteten) konnte ich gut leben (ich hätte mich diesbezüglich bei umgekehrtem Ergebnis auch nicht zurückgehalten), aber Sprüche von (teilweise unbekannten) Ahlenern (auch wenn sie nett gemeint waren) wie „Wenn die weiter so spielen, steigen die nicht ab", „St. Pauli gehört in die 2. Bundesliga" oder „Nicht traurig sein" wollte ich an diesem Abend ganz bestimmt nicht hören. Nur aus Höflichkeit gegenüber den Gastgebern habe ich jeweils auf die Replik „Ich will und brauche Euer verschissenes Mitleid nicht!" verzichtet.
Wenn es jemals wieder zu der Begegnung LR Ahlen vs. FC St. Pauli kommen sollte, werde ich gegenüber meinen Eltern Zeitmangel vortäuschen und mit Fanladen-Tours anreisen, um mich direkt nach dem Spiel wieder verabschieden zu können.



t5micha, ein Jahr nach dem 6. 2. 2002

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St.Pauli - Frankfurt 1:1

Am Freitag, dem 24.01. ging es wieder los mit dem Ziel, das Unmögliche doch noch möglich zu machen bzw. die Rückrunde nicht zu einem reinen Schaulaufen werden zu lassen.
Als ich ins Stadion kam, war es bereits recht voll und mußte mir nach rechts, links oder über diversen Köpfe den Eindruck vom Spiel verschaffen:
Und es begann gut. Nicht nur kämpferisch lief es, nein phasenweise auch spielerisch recht gut, wobei N'Diaye mir sehr gut gefiel.
Er war so gut, dass Henning Bürger schon nach kurzer Zeit ausgepfiffen wurde, was ich persönlich jedoch etwas schade fand. Aber wie so oft, fiel aus dem Nichts das 0:1 durch ein blödes Freistoßtor (Wie stand eigentlich die Mauer?). Na Klasse! Geht es schon wieder los.
Dann aber großes Staunen: Es wurde weiter gekämpft und gespielt, sogar gleich nach dem 0:1, so dass mit etwas Glück der Ausgleich vor der Pause fällt.
So wurden wir jedoch weitere 45 Minuten auf die Folter gespannt, ehe Fabian Gerber buchstäblich in letzter Minute den Ausgleich erzielte, welches gestern abend in Sport 3 immerhin zum Tor des Nordens gekürt wurde.
Nach dem Spiel trafen sich noch einige Leute im Wintergarten, allerdings waren die Juvenilen nicht vollständig. Schade, dass nicht immer alle nach jedem Heimspiel ins Clubheim kommen können.

zwackel, 27.01.03

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Juventus-Senile, der FC St. Pauli unter den Fanclubs
Hamburg, am 16.12.2002

Wer der "FC Bayern unter den St. Pauli-Fanclubs" ist, dürfte vielen seit geraumer Zeit bekannt sein. Seit Samstag weiß man nun auch, wer der FC St. Pauli unter den St. Pauli-Fanclubs ist. JUVENTUS SENILE SAN PAOLO schaffte es in geradezu souveräner Manier, beim 8. Millerntor-Cup in der Alsterdorfer Sporthalle die Rote Laterne zu erobern. Aus dem Stand, bei der allerersten Teilnahme. Und gleich mit drei Plätzen Abstand zum Nächstplatzierten - da der Platz 49 gleich dreimal belegt war, gab es keinen 50. oder 51. Platz. Deutlicher geht es nicht mehr - nicht auszudenken, wo wir gelandet wären, wenn alle 80 Fanclubs, die für das Turnier gemeldet hatten, hätten teilnehmen dürfen.

Sicher, man mag darüber spekulieren, wie wir abgeschnitten hätten, wenn das Turnier in einem anderen Modus ausgetragen worden wäre. Vier Dreizehner-Gruppen anstelle von dreizehn Vierergruppen. Oder gleich jeder gegen jeden - was bei 52 Teilnehmern 1.326 Spiele bedeutet hätte. Oder was passiert wäre, wenn wir - wie uns jemand, der es aufgrund häufigerer Teilnahme einigermaßen wissen sollte, bestätigte - einer weniger starke Gruppe erwischt hätten.

Sei's drum. Seit Pierre de Coubertin wissen wir: Dabeisein ist alles. Eddie the Eagle wäre stolz auf uns. Und wie eingangs erwähnt: Die rote Laterne von St. Pauli tragen nicht nur wir, aber lassen wir das ...

Bevor hier falsche Verdächtigungen aufkommen: Wir haben es nicht drauf angelegt, Letzter zu werden. Ganz im Gegenteil haben wir uns sorgfältig vorbereitet. SantaPaula, watnu und Knuffi fertigten wunderhübsche Leibchen mit der JSSP-Symbolfigur Methusalix vorne drauf und dem jeweiligen Geburtsjahr in römisch hinten drauf an, meiner einer organisierte (soll heißen: ließ HD-Harry organisieren) einen Satz Handballtrikots, und beim Grünkohlessen eine Woche vor dem Turnier widmeten wir uns detailliert der Kaderzusammenstellung und anderen wichtigen Fragen. Ohne unsere gedankliche Energie für störende Dinge wie etwa die Frage nach der Notwendigkeit eines vorbereitenden Trainings zu verschwenden.

Standesgemäß führte uns unser erstes Spiel gleich mit dem Vorjahressieger WKA Trullerbü zusammen. Und in der Tat traten sie nicht nur als, sondern auch wie ein Vorjahressieger auf. Wir hatten nicht den berühmten Hauch einer Chance (Miller kommentierte es wie folgt: "Im nächsten Spiel sollten wir auch mal aufs Tor schießen") und hatten es Zwackel im Tor zu verdanken, dass es lediglich ein 0:3 gab. An dieser Stelle ein Dankeschön an die Jungs aus Trullerbü für ihr freundschaftliches und lockeres Auftreten. Hat trotz des 0:3 Spaß gemacht. (Wie zu erfahren war, gab es auch Akteure mit weniger anerkennenswerten Formen der Beteiligung, Näheres hierzu in FC42-Norberts jüngstem Aufreger.)

Weiter ging es gegen Hamburger Wetter/Kiesewetter. Ein Spiel, in dem wir uns gegenüber dem ersten steigern konnten, was am Ergebnis - diesmal setzte es nur ein 0:2 - überdeutlichst abzulesen ist. Das dritte Gegentor kurz vor Schluss wurde völlig zu Recht nicht anerkannt, weil zum Zeitpunkt des Geschehens ein zweiter Ball im Spiel war. Gegners Hinweis darauf, dass das Tor auch ohne diesen Vorfall gefallen wäre, war korrekt, aber das interessiert das Regelwerk nicht. 0:2 also, der bislang positivste Spielausgang unserer Vereinsgeschichte.

Unser letztes (Gruppen-)Spiel führte uns gegen einen Fanclub namens "Wir sind nicht zum Spaß hier", und wie sich herausstellte, trugen die Jungs diesen Namen völlig zu Recht. Das Ergebnis ihrer Bemühungen war ein 8:0, vermutlich der höchste Turniersieg. Über unsere Art der Beteiligung an diesem Vorgang sei der Mantel des Schweigens gehüllt - wer's gesehen hat, der weiß Bescheid, und wer's nicht gesehen hat, denn hat's dann ja offenbar auch nicht so sehr interessiert. ;-)

Bei der abendlichen Aufarbeitung des Turniers - abgehalten von SantaPaula, skynner und mir in einem urigen Lokal (mit uriger Live-Musik und urigen Gästen) in den Mauern der schönen Schwester Hamburgs sowie anschließend im Jolly - erfuhr ich, dass die Arschrocker das Turnier gewonnen hatten. Auch von hier nochmal meinen herzlichen Glückwunsch. Ihr seid also nicht nur in der Disziplin leistungsstark, die Ihr vorzugsweise im St. Pauli-Forum propagiert. Prost, die Damen und Herren. :-)

Und für uns, die Juvenilen Senilen, bleibt die Frage, wer die Rote Laterne zuerst abgeben darf - wir beim Fanclub-Turnier im Sommer oder die Ligamannschaft (um mal den wertungsfreien Jargon der Vereinszeitung zu bemühen) bei ihrer Mission Impossible in der Rückrunde. Ich reiße mich nicht darum, Vortritt gewährt zu bekommen.

pathos93

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St.Pauli - Aachen

Tscha! Ich finde wir, die Fans, haben sie uns redlich verdient: die Winterpause! Man ist fast geneigt, wieder an den Weihnachtsmann zu glauben - zumindest beschert uns sein "Dasein" die nun folgenden fußballqualfreien Tage.
Die leise Hoffnung, durch die Mannschaft würde - ebenso wie bei dem größten Teil der Fans - infolge des Präsidentenwechsels ein Ruck gehen, wurde am letzten Spieltag des Jahres jäh zerstört. Wenn man sich schon manchesmal über die Nichtleistung der Mannschaft geärgert hatte, dann wurde es an diesem Abend noch trefflich überboten. Wenn ein Gegentor bisher zumindest gelegentlich zu einem kleinen Aufbäumen führte, dann führte es heute zu einem totalen Zusammenbruch. Zwar wurden auch dieses Mal wieder zwei Tore ganz schnell hintereinander geschossen, aber dieses Mal gingen sie beide in unser Tor. Lag wohl daran, daß Freitag der 13. war... den Gedanken, daß die "Mannschaft" gegen den Trainer bzw. für dessen Rauswurf gespielt habe, verdränge ich lieber - auch wenn es mir angesichts mancher kampf- und lustlosen Szenen schwerfällt.
Die Stimmung auf den Rängen war allerdings dieses Mal fast als glänzend zu bezeichnen. Der alte, schmerzlich vermißte Sarkasmus hielt wieder Einzug. Gesänge wie "So ein Tag, so wunderschön wie heute" und "außer Braunschweig gewinnt hier jede Sau" hilft beim Frustabbau - und die Spieler scheint es doch weitaus weniger zu verunsichern, als Patsche es kürzlich behauptete. Zumindest wurde - oh Wunder, oh Wunder - NACH diesen Spottgesängen noch ein Anschlußtor geschossen. Das Geheimnis, ob die Spottgesänge sogar für eine Motivation zur gnadenlosen Aufholjagd gereicht hätten, wurde leider von dem kurz darauffolgenden Schlußpfiff mit ins Grab genommen...
Zwei erfreuliche Dinge gibt es von diesem Tag noch zu vermelden:
1. "Das Herz von St.Pauli" findet als Stadionhymne offensichtlich guten Anklang! Ich fände es gut, wenn sich der Verein dazu durchringen könnte, es zu spielen. Hätte zumindest so'n bißchen was von back to the roots.
2. hat unser neuer Präsident zu seinem Einstand Herz gezeigt und den arg schockgefrorenen Fans nach dem Spiel heißen (!) Glühwein spendiert. Und: es war nichtmal das allerübelste Gesöff, was Fan sonst sogar für Geld gelegentlich angedreht wird... ;-)
Übrigens: Die Spieler hätten sich von dem (fairen!) Einsatz der Fans beim Kampf um's erwärmende Nass gerne 'ne Scheibe abschneiden können - allerdings, bei uns ging es im Gegensatz zu Spielern ja schließlich um was: die Vorstellung, bei gefühlten -100° Außentemperatur 'nen heißen Glühwein in die steifgefrorenen Finger zu bekommen, scheint den Kampf- und Überlebensgeist enorm zu steigern...

SantaPaula

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St.Pauli-KSC

I don't like Mondays...

,,,obwohl: eigentlich fing es gar nicht SO übel an. Man hatte bereits den schlimmsten Arbeitstag der gesamten Woche hinter sich gebracht, es hatte sogar aufgehört zu regnen, na ja und der Verlust, daß die Thüringer Würstchen noch nicht gar waren, konnte letztlich durch den Verzehr einer Krakauer kompensiert werden... ;-)
Selbst die Spieler machten an diesem Abend zunächst noch mit. Vor dem Anpfiff hielten sie ein riesiges Transparent hoch, auf dem zu lesen stand "unsere Fans sind keine Gewalttäter". Nette Geste - von wem auch immer diese Idee stammte... Selbst das Spiel begann gar nicht SO übel, wie man es eigentlich aus den letzten Spielen gewohnt war. Die erste Viertelstunde wurde durchaus nach vorne gespielt - wenn auch keine absolute Glanzleistung vollbracht wurde: immerhin... für'n Anfang gar nicht mal SO übel. Man zermürbt... ähhh wird mit der Zeit halt genügsam. Tscha, aber dann? Keine Ahnung! Plötzlich standen sie nur noch hinten drin - ließen sich nur noch in den eigenen Strafraum zurückdrängen, kamen in Bedrängnis. Endlich! Ich dachte schon, es hätte sich irgendwas geändert. Aber weit gefehlt. Man beschränkte sich nur noch darauf, sich hinten reinzustellen und gelegentlich einen Konter zu fahren. Mein Gott! KON-TER! Im EIGENEN Stadion! Und das in ZWEITEN Liga! Es kann doch einfach nicht angehen, daß man nicht volles Risiko spielt, nicht alles nach vorne wirft und jeden nur erdenklichen Ball in Richtung Tor drischt. Es war ein HEIMspiel! Wo, wenn nicht zu Hause, sollen die Punkte denn noch geholt werden?!? Puh - das Schlimme an der Sache: gelegentlich verläßt einen die Lethargie, in der man in die Spiele der letzten Zeit über sich ergehen läßt und es tut verdammt weh...
Was soll man zu einem solchen Spiel noch sagen, wenn einem schon seit längerem die Worte fehlen? Nichts! Genau! NICHTS!
Aber was passiert? Es wird gepfiffen - und damit meine ich nicht den Schiri. Nein, ich meine Fans - und zwar die eigenen!
Auch meine Geduld ist ziemlich am Ende - aber die Spieler auspfeifen?! Nein! Das hat nichts damit zu tun, daß dies "unter unserem Niveau" oder sonstiges Blabla, von wegen dadurch keinen Deut mehr besser als Fans von XYZ. Nein! Es ist nur einfach noch nicht notwendig. Pfeifen können die Fans, die keine andere Möglichkeit mehr haben, den Spielern ihren Unmut mitzuteilen, weil sie sich ansonsten (z.T. unabhängig vom Spielstand) stillschweigend die Spiele ankucken. Aber das ist bei uns ja bisher nicht der Fall gewesen. Und es würde garantiert entsprechend bemerkt werden, wenn das ganze Stadion mal schweigen würde - Totenstille bei einem sterbenden Verein, bei leblosen Spielern, bei verzweifelten Fans...

SantaPaula

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Burghausen - St.Pauli 1:1

Weil es keinen krasseren Unterschied zwischen der Gastfreundschaft zweier Zweitliga-Städte geben kann und weil mich so ein Stinktier namens Micha ständig veräppelt, hab ich mich jetzt endlich aufgerafft und den Burghausen-Bericht zu Ende geschrieben... Gott, war das ne schöne Auswärtsfahrt.

Burghausen...? Bitte nicht!!

Das war das erste, was ich im Zusammenhang mit Burghausen gehört habe. Es war zum Ende der letzten Saison, als wir als Absteiger feststanden und Burghausen (vorher nie gehört. Wo oder was soll das sein?) anscheinend dabei war, in die 2. Liga aufzusteigen.

Kurze Zeit später tauchte Burghausen mit dem Einleitungssätzen "Scheiße, was ist Burghausen und wo soll das sein?" und "Burghausen bei Österreich. Dicke Füße im Bus." auch im Forum auf und verließ es dann auch nicht mehr.
Jetzt weiß ich was und wo Burghausen ist: Es ist schönes Städtchen in Oberbayern, in der viele herzliche und liebe Menschen wohnen.
Aber zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg und das nicht nur geographisch.
Wie schon geschrieben, Burghausen spukte seit Mai immer wieder im Forum rum, es "roch" nach Kult-Tour und mein Interesse an diesem "Nest" war geweckt. Es hieß ziemlich schnell "Auf nach Burghausen". Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir allerdings noch an den Kopp gefasst und alle, die diese Reise ans andere Ende der Welt wirklich ins Auge gefasst haben, mit dem Siegel "Nicht-mehr-zurechnungsfähig" versehen. 12-16 Stunden im Bus nur um in ein "Nest" an die österreichische Grenze zu fahren... Die sind doch nicht normal.
Aber dann kam das Zauberwort vom Fanladen: "Sonderzug?!? Bei 300 Anmeldungen und Spiel am Sonntag machen wir ihn" - mein Blick wurde nachdenklicher und es kamen Erinnerungen an andere Touren hoch, die im nachhinein etwas von Kult-Touren hatten, z.B. Meppen, irgendwann Anfang der 90-iger, von der heute immer noch Anekdoten zu später Stunde auf den Tisch kommen. Zeitgleich allerdings kamen auch nicht so nette Erinnerungen an Sonderzugfahrten nach Kaiserslautern und Gelsenkirchen letzte Saison wieder ins Bewusstsein.
Jetzt begann der innere Kampf. Erst gewann Lautern und Schalke. Ein unklares "Nein" war die Folge, ich fahre nicht mit. Den Streß tue ich mir nicht an. Hab auch so schon genug um die Ohren und falle allabendlich in ein komatösen Schlaf aus dem einen der Wecker nach gefühlten Zwei-Minuten-Schlaf am nächsten Morgen brutal weckt. .
Eine kleine Stimme meldete sich "Warum dem Streß hier nicht mal entfliehen? Fahr mit! Kopf frei kriegen. Ausserdem kannst Du dann sehen, was Du noch abkannst"
Die Contra-Stimme konterte hämisch: "Zwei Nächte im Sonderzug? Haha... bist Du bekloppt? Vielleicht ist der Kopf danach frei, aber auch nur, weil Du ins Dauer-Koma gefallen bist. Remember Lautern: Genervt und fertig auf der gefühlt unendlich langen Rückfahrt mit keiner Minute Schlaf. Und diese Fahrt, meine Liebe, ging noch nicht mal über eine einzige Nacht. Du bist dafür zu alt. Punkt!"
Zu alt?? Niemals!!
... und ausserdem, war nicht irgendwo die Rede von Schlafwagen?
Die Pro-Stimme bekam wieder Aufwind und die Contra-Stimme änderte sofort ihre Taktik und verwies auf den Sparhaushalt, darauf, dass keine Zeit für solche Extra-Touren sei (Wann bitte schön willst Du denn die Bude mal auf Vordermann bringen, wenn Du jedes Wochenende unterwegs bist?....)
Die Pro-Stimme manipulierte ungeachtet dessen derweil auf der Wacker-Seite das Umfrage-Ergebnis welcher Spieltag den für Heimspiele der Wacker-Elf am liebsten gesehen würde: "Freitag oder Sonntag?" Wobei sie gestehen muß, in einem unkonzentrierten Augenblick der eigenen Neigung nachgegeben und "Freitag" gedrückt zu haben. Dieser kleine Fehler fiel allerdings nicht ins
Gewicht, denn wenn die "Zecken" erstmal anfangen, Umfragen "zecken-günstig" zu gestalten, gelingt es ihnen im allgemeinen auch. So auch hier, ratzfatz war der Freitag abgemeldet und der Sonntag der Wunschtermin der Burghauser schlechthin ...und dann war die Wacker-Seite tagelang weg vom Netz. (Ob die wohl was gemerkt haben? *g* )
Wie dem auch sei, nachdem wir unseren Wunsch auf der Wacker-Seite kundgetan
hatten, begann das lange Warten auf die Spieltagansetzung der DFL und siehe da, irgendwann hieß es: Wacker Burghausen gegen FC. St. Pauli, Sonntag, den 24.11.2002.
Die Contra-Stimme zuckte zusammen, hatte sie sich doch so auf einen Freitag verlassen, und gab sich geschlagen. Als dann auch noch Santa und eine Freundin ihr Mitkommen zusagten und auch die Wetterhexe davon überzeugt werden konnte, dass vier Weiber wunderbar ein Zickenabteil aufmachen könnten, gab es kein halten mehr.
Jetzt stellte sich die ungebremste Vorfreude auf diese Fahrt ein. Denn eins war sicher, eine unvergessliche Tour würde es werden. Ob nun im negativen oder positiven Sinne, da stritten sich Pro und Contra noch. Pro lag aber mittlerweile meilenweit vorne. Durch die Blödelein im Forum, u.a. unter zur Hilfennahme netter Foto´s der Burghauser Bevölkerung, wuchs die Vorfreude dann auf diese Tour in unerwartete Höhen. Hab ich jemals gesagt, ich würde mir diesen Streß nicht antun? Niemals, ich doch nicht!
Aber dann kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen.
Nix ist mit Schlafwagen, normale Abteile, allerdings mit 5-er Besetzung für die ersten 300 Anmeldungen. Ok, mit richtig viel Schlaf in den zwei Nächten wird es dann wohl nix, aber egal. Die Typen da unten will ich trotzdem persönlich kennenlernen.
Dann kam der erste Teil der JHV. Hauen und Stechen überall. Auch zwischen den Leuten, die sich eigentlich ganz gut verstehen, aber in einigen Punkten halt unterschiedlicher Auffassung sind.
Der Fortsetzungstermin dieser "Schlammschlacht" wurde ausgerechtet zwei Tage vor Abfahrt des Sonderzuges angesetzt. Na klasse, da dürfte es dann ja nur ein Thema an Bord geben und das würde kaum zu einer ausgelassenen Stimmung beitragen.
Der absolute Vorfreude-Killer war dann allerdings die Nachricht, dass mein Kalb, alias Wetterhexe, nicht mitkommen konnte.
Mein Entschluss zu fahren tendierte gen Null und ich war kurz davor, meine Karte unter die Leute zu bringen. Doch dann tauchte der SVW-Ordner im Forum auf und ich traute meinen Augen nicht.
Was geht denn da unten ab? Das geplante Konzert in einer größeren Halle, weil die Wacker-Fans ja auch mitfeiern wollen, großer Empfang am Bahnhof mit Blaskapelle und Bürgermeister, Bustransfer zur Burg ... Meine Augen wurden immer größer und die Neugierde auf Burghausen wurde wieder geweckt. Vor allem wollte ich wissen, ob der SVW-Ordner uns nicht "auf den Arm" nimmt.
Denn als er auch noch bekannt gab, dass er die Bahn dazu gebracht hätte, ihren Fahrplan zu ändern, bzw. einen Schienenersatzverkehr hinbekommen hätte, damit wir nicht kurz vor Burghausen eine halbe Stunde auf dem Abstellgleis auf einen mit 5-10 Leuten besetzten Zug warten müssen, lag es für mich auf der Hand, der Mann veräppelt uns ...oder etwa doch nicht?
Jedenfalls wuchs die Spannung, was uns nun wirklich in dieser kleinen Stadt fernab der guten alten Hansestadt erwarten würde, enorm.
Und da der zweite Teil der JHV auch eher harmonisch ablief, das Ergebnis der AR-Wahl allen mir bekannten Nasen durchaus zusagte und ein "Hauen und Stechen" auf der Fahrt nicht mehr zu befürchten war, war sie endgültig wieder da: Nicht nur die Neugierde auf Burghausen, sondern auch die Vorfreude auf die Fahrt dorthin.
Und mit diesem Gefühl im Bauch betraten die Kühe Santa und watnu verkleidet als Piratenbräute am Samstagabend in Altona den Zug (zusammengestellt aus historischen Wagen. Sehr passend für senile Kühe), begrüßte die vierte Abteil-Zicke (Orsen´s kleine Schwester :-P ) und die anderen bekannten Nasen und dann ging die Reise los.
Kurze Bedenken, ob dieser Wagen evtl. unterhalb des Bodens (Achsen, Räder und was da noch so an unwichtigen Kram zugehört) im gleichen schlechten Zustand ist, wie oberhalb, wurden vehement zur Seite geschoben. Ich wollte mir diese Fahrt durch nix und niemanden mehr versauen lassen.
Einzig die amüsiert, überrascht bis besorgten Blicke der Bahnangestellten auf den angesteuerten Bahnhöfen angesichts des Museumzuges ließen dann nochmal kurz eine Sorgenfalte auf meiner Stirn entstehen. Allerdings versicherte man mir unter anderem, dass diese Wagen Vollräder hätten und keine Radreifen und was schon so lange über die Schienen rattern würde, würde auch diese Fahrt noch überstehen.
Ich frage mich jetzt allerdings doch, ob die Verabschiedung in Göttingen "Ich wünsche Euch wirklich viel Glück auf der weiteren Reise" einen Hauch von schwarzen Humor besaß oder nicht?
Wahrscheinlich. Denn immerhin wollte genau dieser gemeine Mensch eine kleine Maus tottreten, die ihm angeblich immer sein Abendbrot wegfressen würde. Nun denn, die Maus hat überlebt und wir ja auch, irgendwie.
Der stromlose Partywagen trübte zwar kurz meine gute Stimmung, aber auch nicht nachhaltig. Ich fand die Taschenlampen-Notbeleuchtung hatte auch ihren Charme. Für die Passanten war dieser Ausfall natürlich nicht so einfach "wegzustecken", denn immerhin blieben sie auf ihrer Kartoffelsuppe "sitzen" und der Getränkekonsum dürfte auch nicht der beste gewesen sein. Aber wie
schon weiter oben bemerkt, diese innerlich hart erkämpfte Fahrt wollte ich mir nicht versauen lassen.
Und genau in diesem schummerig beleuchteten Partywagen hab ich mich ein paar Stunden später in Gegenwart von Cliff und Acki, die ein paar Stunden zuvor in Kassel zugestiegen waren, unbedacht zu der Äußerung "Oh, guck mal, da ist die Skyline von Frankfurt. Wieso fahren wir eigentlich über Frankfurt?" hinreißen lassen. Die beiden haben mich daraufhin angesehen, als wäre ich nun doch ein Opfer des Rinderwahn geworden und erwiderten schlicht, dass es nicht sein könne, weil sie dort vor mehr als 5 Stunden schon mal
vorbeigefahren wären. Typisch männliche Logik. *g* . Ich allerdings bin beharrlich dabei geblieben und die beiden müssten dann den Wahrheitsgehalt meiner weisen Worte auch einsehen. Damit war dann auch die lange Fahrtzeit erklärt, im Zickzack-Kurs durchs Ländle dauert nunmal ein büschen. Schade nur, dass wir zu dem Zeitpunkt schon weit über eine Stunde zu spät waren und eigentlich schon Würzburg als letzten planmäßigen Halt hinter uns gelassen haben sollten.
In Kassel sind neben den beiden Liebhabern Frankfurts, auch noch die liebgewonnen Nasen der West-Brigade, die olle Bummelkrücke und der Faxenbär eingestiegen. Die Krücke hat dann auch gleich seinem Namen alle Ehre gemacht und sich sofort zum Pennen ins Abteil verzogen. Unglaublich.... da legt der sich hin... Das ging ja nun gar nicht und er wurde fast gewaltsam mit in den Partywagen gezerrt. Zu meiner großen Schande muß ich gestehen, dass ich dann diejenige war, die rapide abgebaut hat und ausser dem beschriebenem scharfsinnigen Erkennen von Mainhatten nix mehr einfiel und mich ins Schlafgemach aufgemacht habe. Paar Stunden später dann aus dem Dämmerzustand erwacht, fand ich mich dann irgendwo kurz vor München wieder. Und da stand
der Zug dann und stand (wir hatten ja auch erst über zwei Stunden Verspätung)... und auf einmal rollte unser Zughinterteil an uns vorbei... Fröhliches Gejohle und spöttische Gesänge aus dem Zughinterteil waren die Folge, die doch glatt der Meinung waren, sie fahren weiter und wir blieben da... Frechheit... Sowas muß man sich jawohl nicht von seinem Zugachtern sagen lassen.
Tja, kurze Zeit später waren sie ja auch wieder da, wo sie hingehörten, hinten dran. Diese nette Begebenheit hatten wir der netten Bundesbahn zu verdanken, die uns des defekten Partywagens beraubt hatte und versprach, ihn in München wieder flott zu bekommen, so dass wir ihn wieder ganz heil abholen könnten, wenn wir abends retour kommen würden. Um es vorweg zu nehmen, er kam zurück, aber nur halb heil. Eine der beiden Küchen blieb weiterhin kalt. Aber eine warme Küche ist besser als keine und eigentlich hatte keiner überhaupt erwartet, diesen oder einen anderen Partywagen überhaupt wieder zu sehen.
Es ging also ohne Partywagen weiter Richtung Burghausen. Die Laune im Zug war langsam aber sicher doch etwas abgesackt. Eigentlich unüblich, je näher fan sonst dem Ziel kommt, desto besser wird die Stimmung, aber über zwei Stunden Verspätung bedeuteten, dass fan das Programm, dass in Burghausen für uns aufgestellt wurde, vergessen konnte. Nix war mit Burg- und
Stadtbesichtigung, anschließend bayrischem Frühschoppen mit Live-Musik und der absoluten Luxusmöglichkeit, in der Sporthalle bei Bedarf noch unter die angebotenen Duschen zu springen, um dann frisch und gesättigt ins Stadion zu gehen. Entweder Burg oder Frühschoppen war angesagt, und ob die Blaskapelle mit großem Bahnhof noch auf demselbigen warten würde, wurde auch mehr als bezweifelt. Der Frust saß schon etwas tief. Wäre ja zu schön gewesen... so mit Ramtamtam empfangen zu werden. Und dann kam der letzte Bahnhof vor Burghausen, an dem Wagen abgekoppelt werden sollten, da der Zug für Burghausen zu lang war. Bin mir aber nicht sicher, ob da überhaupt was abgekoppelt wurde. War aber auch egal, denn auf dem Bahnhof stand doch tatsächlich noch die Vorhut des Empfangskomitees. Der SVW-Ordner und seine "rechte Hand" und sie verteilten Buttons mit der Aufschrift "Burhausen grüßt St.Pauli" und Stadtpläne an uns. Hmm... da machte sich schon sowas wie dankbare Rührung breit. Tja, und dann stand man auf den letzten Kilometern nur noch am offenen Fenster und zunehmend auch mit offenem Mund. Es gab kaum ein Haus, Garten, Parkplatz... von wo aus einem nicht freundlich zugewunken wurde. Und dann kam der Burghauser Bahnhof in Sicht... Rappelvoll, jung und alt und auch die ein oder andere vorgereiste Zecke standen da, und natürlich spielte die Blaskapelle und auch der Bürgermeister hatte noch nicht das Weite gesucht... Dieser Empfang war einfach überwältigend. Es gab wohl kaum einen im Zug, der nicht Tränen in den Augen hatte. Das war einfach einmalig und unglaublich schön.
Überhaupt keine Berührungsängste, nix. Man wurde gedrückt, mit warmen Lächeln bedacht... Komische Geschichte... War fast wie nach Hause kommen.
Auf dem Bahnhof wurde dann noch ein wenig das "Wiedersehen" gefeiert, dem Bürgermeister und dem SVW-Ordner ein Trikot übergestreift und dann gab´s die nächste Überraschung. Auf dem Bahnhofsplatz standen Busse bereit, den Verspäteten jedenfalls eine Stadtrundfahrt zugute kommen zu lassen, wenn es schon nix mit der ausgiebigen Besichtigungstour werden konnte. Also rein in
die Busse und durch die Stadt. Mit "Ahhh.." und "Ohh.."s die Errungenschaften und Neubauten für die Gartenausstellung 200x bestaunt und leicht verschämt genickt, als der Busfahrer feststellte: Es interessiert euch nicht wirklich, oder?". Er erzählte uns dann nahtlos und überhaupt nicht beleidigt amüsante Geschichten aus dem Nähkasten, die für viel Gelächter sorgten und erst beim Anblick der Burg wurde er wieder "geschichtlich". In dem Moment war mir klar, dass ich das Konzert sausen lassen würde und mir diese Burg von dichtem ansehen würde. Nur - wie dahin kommen? Burghausen wäre nicht Burghausen, wenn sie einem diese Problem nicht auch locker abgenommen hätten. Als die Stadtbesichtigung zuende war, der Bus vorm Stadion hielt und so einige von uns am Überlegen waren, wie man nun zur Burg kommen könnte, hieß es kurz und trocken vom Busfahrer "I fohr euch hie".(oder so ähnlich) Also wieder rein in den Bus und zur Burg gefahren. Auch auf und in der Burg wurde man von Burghausener freundlich begrüßt und das zum Teil sogar mit einem leicht bayrisch akzentuierten "Moin moin". Für einen langen Besuch der Burg und einen ausgiebigen Genuß des tollen Ausblickes und dem wärmenden Sonnenstrahlen blieb allerdings nicht viel Zeit, denn langsam knurrte der Magen und im Sportpark wartete ja noch das bayrisches Frühstück.
Also gings wieder runter zum Stadion, schnell in die Halle, kurz einen Eindruck bekommen, was da wohl während des Konzertes "abgegangen" sein muß, den roten Teppich bestaunt und ran die Wursttheke.
Lecker Leberkäs mit süßem Senf gegessen, eigentlich mag ich sowas gar nicht, ein Bier getrunken und dann ging es auch schon ins Stadion. Und wie soll es anders sein... Vorher schien die Sonne, es war erstaunlich warm und kaum im Stadion pfiff ein kalter Wind und Wolken zogen sich auf. Wenn das keine Symbolik ist. Zum Spiel nur kurz. Es endete, trotz neuem Kaffee-in-genau-der-Reihenfolge-Verteil-Aberglauben-Ritual "nur" 1:1. Das wurde intern allerdings wie ein Sieg gesehen. Den auf die später vorm Stadion gestellte Frage, wie man den gespielt habe, kam von mir prompt die Antwort "gewonnen" und erst mit Verzögerung: "Naja... 1:1. Aber das ist für uns ja schon fast ein Sieg".
Am Bahnhof wurde dann die Gaststätte geentert, um sich aufzuwärmen und noch der ein oder andere Klönschnack gehalten. Dann kam der Sonderzug und die schöne Zeit in Burghausen neigte sich dem Ende. Als wir dann in unser Abteil kamen, war das Erstaunen groß, saßen da doch drei uns unbekannte Herren. Sie wären beim Spiel gewesen und hätten ihren regulären Zug verpaßt und ob wir
etwas dagegen hätten, dass sie es sich in unserem Abteil gemütlich gemacht hätten? Hatten wir natürlich nicht. Wir schnacken und philosophierten noch ein bisschen darüber, was nun St. Pauli ausmacht. Dann wurde noch die Totenkopfgirlande, die unser Abteil verschönte, etwas geplundert und nach einer halben Stunden verabschiedete man sich, die drei Herren versprachen, beim Rückspiel auf jeden Fall dabei zu sein. Jetzt stellte sich wieder die Frage, ob wohl der Partywagen in München auf uns warten würde... Er tat´s.
Und er war sogar zu 50 % heil. Im Gegensatz zum Ersatzwagen, der dem Zug für den "Tiefkühlwagen 1" der Hinfahrt angehängt wurde. Diesen verließ dem Hören-Sagen nach die Bremskraft und diesem Umstand haben wir einen längeren unplanmäßigen Stop auf freier Strecke zu verdanken. Immerhjn konnte dadurch, wenn auch nur theoretisch, ein "Mordfall" entdeckt werden. Denn um nix
anderes kann es sich doch wohl nur hinter den hellerleuchteten Fenster gehandelt haben. Wenn ein, mit gröhlenden Fans, beladener Zug direkt unter einer Wohnung einen fast mehrstündigen Halt zu spätabendlicher Stunde macht und in der ganzen Zeit nicht einmal ein Kopf am Fenster auftaucht, dann kann es doch wohl nur eins bedeuten, oder? Cliff fand meine Schlußfolgerung zwar ziemlich weit hergeholt und einem krimigeschädigten Hirn entsprungen, ich allerdings fand es zwingend logisch und völlig klar auf der Hand liegen.
Miss Marple, bitte übernehmen Sie.... denn kurz vor der Lösung des Falles fuhr der Zug wieder an.
Der Rest der Rückreise ist kurz erzählt, denn ich bin noch weit vor Würzburg und ohne dem Genuß des Konzerts im Partywagen in einen komatösen Schlaf gefallen.
In Hamburg dann ausgeschlafen und natürlich zu spät angekommen. Bei Santa unter die Dusche gehüpft und ein etwas längeres Frühstück mit viel Kaffee genossen und dann zur Arbeit gefahren. Zum Erstaunen und unter Bewunderung meiner Kollegen sogar einige Stunden gearbeitet.
Fazit: Diese Fahrt war mit das Schönste, was ich bisher so als St. Pauli-Geschädigte miterleben durfte. Ich würde jederzeit wieder in das verschlafene "Nest" an der österreichischen Grenze fahren und freue mich auf die Revance beim Rückspiel hier in Hamburg.
watnu

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Reutlingen – FC St. Pauli, 21.10.2002

Der Fanladen hatte zur Fahrt nach Reutlingen gebeten: die Busse fuhren ab Clubheim, Abfahrt Samstagnacht gegen 1 Uhr, ETA an Hamburg: gegen 4 Uhr am Montagmorgen.
Kann man machen.
Muss man aber nicht!
Wir hatten uns daher recht früh dafür entschieden, der Bahn lieber ein paar weitere Euro in den Rachen zu werfen und nobel mit dem ICE zu fahren. Unser persönlicher Reiseleiter Leo verbrachte denn auch kleine Wunder beim Zusammenstellen der Verbindungen, und so startete der ICE am Sonntagmorgen um kurz nach 6 Uhr ab Altona Richtung Süden, an Bord Leo und Sandra. Hauptbahnhof stiegen Miriam, der Intergalaktische, den wir am Abend vorher irgendwo in Reinbek eingesammelt hatten, Pieper, Pauligucker, netzmeister und ich zu. Wir fanden zwei gemütliche Tischplätze nebeneinander und verbrachten den ersten Teil der Fahrt bis Kassel mit einem ausgiebigen Frühstück: Champagner, frisch gebackene Brötchen, Lachs, Aufschnitt, Frikadellen, Nudelsalat... Dekadent? Allemal!
Bald wurden auch die ersten Flaschen Erdbeerschnaps geleert, und die schon recht fröhliche Stimmung stieg noch weiter. Dies wurde nach dem Umstieg in Kassel fortgesetzt, und ausgelassen kamen wir in Stuttgart an. Der Bummelzug, der uns dort zu erwarten hatte, war allerdings überpünktlich Richtung Reutlingen abgedampft, und so standen wir da. Immerhin konnten wir schnell einen Ersatz auftreiben, und umgeben von einigen Südzecken erklommen wir die Regionalbahn nach Tübingen. Zwischenstopp: Reutlingen!
Und wer dekadent anreist, der kann auch entsprechend weitermachen: da die Busse, welche die St. Pauli-Fans zum Stadion fuhren, ziemlich überfüllt waren, nahmen wir uns zwei Taxen und liessen uns gemütlich zum „Schnorchel" kutschieren, wo wir auf viele bekannte Gesichter trafen, die dort in gemütlicher Runde bei einigen Bierchen saßen.
Bald darauf ging's ab zum Stadion, schnell noch Spaddel (ziemlich angeschickert) und die Freibeuterin eingesammelt, und angestellt vor dem Eingang des Block V.

Waren in der Stadt schon überall Polizisten zu sehen gewesen, so waren sie hier kaum noch zu übersehen: Polizisten zu Fuss, Polizisten in Fahrzeugen, Polizisten auf Pferden. Von Ärger habe ich nichts mitbekommen, musste mich im Stadion zwar das erste Mal so richtig filzen lassen, aber das störte auch nicht weiter. Schlimmer war der Cola-Ersatz, der dort ausgeschenkt wurde, und das miserable „Schnitzel im Brötchen". Lag sicher am reichhaltigen Frühstück, dass vor Ort nichts schmeckte.
Kurz vor Anpfiff trafen Orsen und Ollio ein, die (einige müssen's echt immer übertreiben ) mit dem Flieger angereist waren. Kurios: Orsen Flugticket war auf eben diesen Nick ausgestellt, und er ist ohne Probleme damit geflogen.
Das Stadion: schnuckelig! Schön offen nach oben hin, von der Kurve konnte man exzellent sehen, und die erhöhten Traversen der GG und der Neubau der Sitztribüne sahen klasse aus. Erstaunlich auch hier die Polizisten, nur sassen sie hier hinter dem Tor mit einem Tischchen im Bereich der Strafraumbegrenzung mit dem Rücken zum Feld und guckten sich 105 Minuten unsere Gesichter an. War sicher spannend...
Schade nur, dass in diesem netten Stadion eine richtige Stimmung nicht aufkam.
Das Spiel und sein Ergebnis kennt inzwischen jeder, andere Eindrücke vor Ort ergaben sich kaum. Meier lieferte ein sehr schwaches Spiel ab, dabei wurde er nach Kräften von allen anderen unterstützt. Die erste Halbzeit fand ich noch recht ansehnlich, da war allerdings auch noch die Hoffnung gross, dass man eine der vielen Chancen in der zweiten Halbzeit sicher verwandeln würde.
Dies war offensichtlich ummöglich, statt dessen legte Reutlingen ziemlich bald die Führung hin und baute diese auch noch aus.
Unsere Spieler dagegen schossen zwar wiederholt auf's Tor, konnten aber leider nicht mal zum Ausgleich aufschliessen. Die Frage, warum die kleinsten der Mannschaft, Kurbjuweit (in meinen Augen ein Totalausfall bei diesem Spiel) und Ofodile immer die höchsten Pässe bekamen, blieb unbeantwortet. Und über Lotter muss man nix sagen...
Erstaunlich die Anhänger Reutlingens, die zum einen das ganze Spiel über nicht nur äusserst ruhig waren (erst kurz vor dem Abpfiff hörte man mal „SSV"-Rufe), sondern auch keine Ahnung haben, wie ihre eigenen Spieler mit Nachnamen heissen. Die Stadionsprecherein bat wiederholt bei Auswechselungen um Applaus für die eigenen Spieler, aber weder darauf wurde reagiert noch wurden die Namen gerufen oder die Mannschaft angefeuert. Wer's mag...
Die mitgereisten St. Paulianer machten sich also einen Spass daraus, zwischendurch mit „pssscht" alle anderen darauf hinzuweisen, dass man ganz leise werden sollte (funktionierte immer), und selbst dann hört man keinen Reutlinger. Sondern ausschliesslich die Spieler.
Dafür wurde unsere Kurve lauter und lauter, je mehr auf dem Rasen schiefging. Half aber alles nichts, abgepfiffen wurde bei einem Stand von 2:0, und wir stehen damit wieder auf einem Abstiegsplatz.

Nach dem Spiel kamen die Spieler kurz zur Kurve, um sich zu bedanken, eine, wie ich finde, schöne Geste.
Und die Fans standen da und applaudierten, eine, wie ich finde, absolut überflüssige Geste.

Somit war man nach dem Spiel erstmal angemessen angefressen, dann ging's zurück zum Bahnhof. Inzwischen verstärkt durch den „Fanladenkasper" warteten wir auf diejenigen, die von Stadion aus mit dem Wagen gefahren waren. Auch hier war eine starke Polizeipräsenz vorhanden, und gefragt nach einem netten Lokal, wo wir bis zur Abfahrt des Zuges sitzen könnten, riet man uns, im Bahnhof zu bleiben, da die Reutlinger „Problemfans" in der Stadt unterwegs seien. Dessen ungeachtet verzogen wir uns in einen gemütlichen Laden, in welchem auch irgendwann das Spiel noch einmal auf DSF in der Zusammenfassung gezeigt wurde. War aber auch nicht besser. Und der Kommentar des Wirtes: „Scheisse, hattet Ihr viele Chancen!" machte mich nicht fröhlicher...

Unser Zug fuhr dann mit Verspätung, so dass Leo seine Beziehungen spielen lassen musste, und es wurde wider Erwarten alles so schnell geregelt, dass wir in Stuttgart nur ordentlich laufen mussten, um unseren ICE zu bekommen. Dank dafür an unseren fleissigen Reiseleiter J
Rückfahrt war ruhig, geschlafen wurde auch schon, und mit ein wenig Verspätung trafen wir um irgendwann nach eins in Hamburg ein.
War eine wirklich schöne Fahrt, von den 90 Minuten Spiel einmal abgesehen, und ich danke allen Mitfahrern dafür.

Knuffi, 22.10.02

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Unterklassiges gegen Oberhausen im Unterhaus
Langweilt es Leser, Texte über Langeweile zu lesen?

Wär's kein gar so wohlfeiler Schnack, müsste man wohl sagen, dass wir bei dieser Partie zwei potentielle Absteiger gesehen haben - obwohl die Rahmenbedingungen stimmten: Freitagabendflutlichtspiel, ziemlich trockene Witterung, erwartungsfrohe 19.200 Zuschauer/-innen, Kader wieder weitgehend komplett, 3. Halbzeit Schnackertreffen im Slattery's... Und natürlich bleibt immer die Hoffnung, dass dieser Eindruck schon beim nächsten mal widerlegt wird.

Vielleicht fällt mein Urteil zu einäugig aus, aber abgesehen davon, dass wir mal nicht 4 Gurken in die Hütte bekommen haben, ist von unserem Spiel nichts Positives haften geblieben: die Mannen in Braun waren...
...ideenlos - während 90 Minuten nur je 2 1/2 positive Aktionen von Fröhlich und Lotter bewirkten, dass unser Mittelfeld diesmal praktisch nicht stattfand.
...mutlos - wollte Piepel nicht gewinnen, oder weshalb hat er für Adamu Gibbs eingewechselt und keinen Offensivmann?
...lustlos - statt einer konzentrierten Belagerung des Adler-Horstes erschöpften sich die erhofften "heißen Herzen" unserer Herren Profis im Beharken des Oberhauseners Tléku, und allen "Fußballmafia-DFB"-Grölern zum Trotze hatten wir wohl eher Glück, dass der Schiedsrichter darin keine Revanchefouls sehen wollte.
...torlos - als logische Konsequenz der vorhergehenden "Lose".

So bleibt als vermutlich einzige längerfristige Erinnerung an diesen 4. Oktober die Frage, was die Südkurvenaktivisten mit ihrem "Carpete-Noctem"-Transparent sagen wollten: die im Forum veröffentlichte Begründung, damit solle die Flutlichtspielsiegesserie des FC St. Pauli voodoomäßig verlängert werden, kam mir zumindestens etwas flau vor - wenn auch nicht ganz so flau wie das Spiel auf dem Rasen. *g*
Und um diesem Berichtsschnipsel wenigstens am Ende eine optimistische Wendung zu geben: der späte Cider schmeckte süffig...

Wattwurm, the day after

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Virtuell in Mannheim
Freitagabend, 18.55 Uhr - welche Ernüchterung: Brämiäre Live überträgt nicht etwa Waldhof gegen San Paolo, sondern Braunschwein gegen Pinköln! Da sitzen wir nun mit 2 JUVENILEn im Fernsehsaal des Romana und schieben Frust. Auch wenn ein mediokres 2.-Liga-Spiel eigentlich immer noch besser ist als der Golf-Ryders-Cup (Scheißsport), die Stihl Timbersport Championships (Holzkopfsport) oder das Formel-1-Warm-up (überhaupt kein Sport)...
Und was muss ich sehen? Lauter St.Paulianer schießen Tore! Zum Beispiel erzielt Dinzey, der jetzt Makelele oder so ähnlich heißt (Michel hat anscheinend endlich "Roots" gelesen), das 1:0 für Beihannover. Oder zum Beispiel versenkt Springer, der sich noch nicht in Stisi umbenannt hat, den Hinterleverkusener Ausgleichstreffer. Zum Beispiel versiebt Scherz mal wieder drei Hundertprozentige. M.a.W.: Business as usual.
Was das mit Mannheim zu tun hat? Na, zum Glück ist unser Live-Korrespondent Norbert Netzelmeister im Carl-Benz-Stadion, zum Glück hat besagtes Fassbinder-Double (müssen eigentlich alle Fußballreporter Volljuristen sein?) sein Handy eingeschaltet, zum Glück beherrscht er die SMS-Techniken nachgerade perfekt, zum Glück nimmt Bulat nur 50% unserer üblichen Gegentorquote in Empfang: so erfahren wir zwar kurz vor 20 Uhr, dass eine beruhigend wirkende Führung binnen Sekunden zum 2:2 vergeigt wurde - aber dann folgen 3 Kurznachrichten über 10 Minuten "Patsche-Show" sowie, zu deren Abrundung, eine grandiose Schilderung des Schlusspfiffes. Danke, Norbert "The Hansch" - prima Liveübertragung. So sollen Auswärtsfahrten sein!

Und wäre ich nach Mannheim mitgefahren, hätten wir das Spiel verloren... :-)
Sankt* Wattwurm, 29.9.02
______________________________
* Kein Maulwurf, kein Wurm ohne "Sankt"! *g*

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Vier gewinnt - zum vierten Mal gegen St. Pauli
pathos quält sich ab (PQSA) – Hamburg, am 22.9.2002

Es muß eine prophetische Anwandlung höherer Qualität gewesen sein, als meine geschätzen Co-Juvenilen, hier die Heilige sowie der fanclubdelegiertenversammlungaufmischende Kassensezierwurm, mich am Samstag dazu verdonnerten, den Bericht zum Mainz-Spiel für diese Seite abzufassen. Und nun habe ich den Salat - darf von einem Spiel schreiben, über das ich überhaupt nicht schreiben mag (hätte statt dessen auch ein jpg des vielsagenden "Ich möchte nicht darüber reden"-T-Shirts hier reinhängen können) und über das vermutlich auch kaum jemand der Besucher unserer Seite etwas lesen möchte.

Zumal die geschätzten Konsumenten dieser Plattform sich vermutlich initiativ über den Verlauf dieses Spiel werden kundig gemacht haben (in welcher Form auch immer) und es daher wohl aus simpler Informationssicht nicht nötig haben, das ganze Ausmaß des Schreckens hier noch einmal ausgebreitet zu bekommen. Und auch davon ab: Etwas wirklich Neues zu berichten gibt es sowieso nicht. Man nehme das Ahlen-Spiel, wechsle ein paar semi-wichtige Statistikdaten aus, und die Betrachtung des Mainz-Spiels steht. Die Assoziation mit cineastischen Bonmots, die die Gleichförmigkeit der Spektakula illustrieren, ist nur zu naheliegend - macht LeoManzi bei seinem Biber-Bericht aus Otto Waalkes' drei Problemen unsere vier Gegentore, so wäre dementsprechend ebenso das Zitat von der periodisch wiederkehrenden Höflichkeitsgeste des Murmeltieres angebracht.

Mein Respekt gilt all denjenigen Zeitgenossen, die sich ob all dieses Elends noch konstruktiv mit Fragen der Taktik oder Mannschaftsaufstellung auseinandersetzen mögen. Ein geharnischtes OFF hingegen geht an das Deutsche Schwachsinns-Fernsehen, dessen Reporterin jedweden Respekt vor dem Berufsstand des Fußballtrainers über Bord warf, als sie Herrn Philipkowski kurz nach Spielschluß vor laufender Kamera fragte, ob er nun Simon Henzler aus dem Tor nehmen würde. Als ob irgendein Trainer, dem auch nur ein Minimum an Berufsehre zueigen ist, eine solche Frage in einer solchen Situation mit "ja" beantworten würde, anstelle sie - wie er völlig richtig entgegnete - intern zu erörtern. Liebe Fernsehfritzen, es ist völlig unnötig, daß ihr die Qualität eurer Berichterstattung der des auf dem Rasen Gebotenen anpaßt. Unter Corporate Identity verstehe ich etwas anderes.

So, nun habe ich scheinbar doch einen wohl genügend langen Bericht fertig bekommen, ohne das Spiel en detail zu beleuchten. Falls ein Kiezkicker hier vorbeischauen sollte: Nein, hier gibt es keinen Klönschnack, in den du den Bericht verschieben kannst. ;-)

pathos93

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Liebeserklärung und Würgereiz
Wattwurm ringelt sich ab (WRSA) – Berlin, Hauptstadt der DDR, am 15.9.2002

Es lässt sich ja eh nicht verheimlichen, und leid tut's mir auch, sogar ganz fürchterlich leid – denn dass wir beim 1. FC Union Berlin verloren haben, ist ausschließlich meine Schuld: noch nie hat der FC St. Pauli ein Pflichtspiel gewonnen, wenn ich die Mannschaft nach auswärts begleitet habe! Ich hätte also eigentlich auch am 5. Spieltag lieber dem Heimsieg von Altona 93 beiwohnen sollen, allen Diskussionen darüber zum Trotz, ob nicht überhaupt nur Auswärtsfahrer echte Fänz sein können! :-)

Aber die Alte Försterei musste ich einfach mal live erleben – ein Stadion, das zu den arenafreien, durch keinerlei Playmobilelemente verschandelten Relikten einer vergehenden Zeit gehört wie der Katzenbusch in Herten, die Rote Erde in Dortmund, der Stimberg in Erkenschwick, (noch) die Adolf-Jäger-Kampfbahn in Altona... Wo alleine schon Namen wie "Wuhlheide" oder "Betriebsbahnhof Rummelsburg" mich mit ihrem Atem der Geschichte anwehen – fehlte nur noch "Kuhle Wampe"!
So machte ich mich also gemeinsam mit zwei JUVENILE-Kandidaten auf den zugigen Weg in die ehemalige Hauptstadt der ehemaligen DDR. Und 2:4 hin oder her – je ne regrette rien (will sagen: ich bereue nichts)! Die Alte Försterei erleben und dann sterben... Tu, felix Berolina, nube – bella gerunt alii! Isch bin ain Börliner! *g*
Ein fast reines Stehplatzstadion, tolle Atmosphäre (logischerweise in Rot-Weiß etwas mehr als in Braun-Weiß), beste Sicht (nur durch einen Lautsprechermast getrübt), wunderschöne Spätsommerstimmung, saftig gegrillte Koteletts undundund – na ja, Spielverlauf und Ergebnis nehme ich von meiner Lobeshymne mal aus. Aber irgendwann werden wir auch wieder eine Abwehr haben, die Gegentore verhindert, statt sie zu ermutigen...
Vor wie nach dem Spiel gab's stadionnah etliche Halbliter-Krüge voll Berliner Pilsener im Bier"garten" Ecke Bahnhofstraße/Kinzerallee, als "Beilage" absolut stressfreie Gespräche mit Unionfans. Der Laden erschien uns reizvoller als eine proppenvolle Alkschwemme namens "Abseitsfalle".
Köpenick hat Flair, sieht man von der postmodernen Shopping Mall mit standardisiertem Branchenmix ab, die ja wohl inzwischen in jedem mitteleuropäischen Unterzentrum stehen muss! *würg*
Und: Döner-Stand schlägt Frittenbude 4:0, leider auch in diesem alten Industrievorort von Berlin.
Wir hätten gut mehr Zeit für Köpenicks Altstadt (und für die Eiserne Grit :-)) haben können; auch Oberschöneweide, den eigentlichen Heimatstadtteil der "Schlosserjungs", hätte ich gerne noch gesehen.
Aber Sonntagsspiele sind Tourismuskiller.

A propos "stressfreie Fans": manchen Unkenrufen im Vorfeld des Spiels zum Trotz hatten wir weder im noch vor dem Stadion, auch nicht in der S-Bahn oder in unbevölkerten Nebenstraßen auch nur die Andeutung eines Problems mit Berliner Krawallbrüdern, Hools o.ä.
Stattdessen genossen wir das zweifelhafte Vergnügen, von einigen St.Pauli-Schwachmathen im Stadion mit ätzendem Qualm eingenebelt zu werden! Für diese Mannbarkeitsriten heranwachsender Möchtegern-Tifosi müssen sich hunderte anderer St.Pauli-Fans minutenlang mit tränenden Augen und Hustenreiz herumschlagen, gesundheitsschädlichen, beißenden, stinkenden Chemiedreck einatmen oder sich vom Spielfeld wegdrehen, bis die Schwaden wenigstens halbwegs abgezogen sind: dafür 1000 Dank aus vollem Herzen an die verantwortlichen (und an die diesen Dünnsinn billigenden) egoistischen W*chser, denen vollkommen egal ist, wie andere dazu stehen und dass wir auswärtige Fans am Millerntor für dasselbe Verhalten zu Recht auspfeifen.
Ich würde wirklich gerne mal so 'ne Pfeife dabei erwischen, wie sie das Teil gerade "zündet"!

Wattwurm, 16.09.02
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ST.PAULI - BRAUNSCHWEIG
Nach dem Lübeck-Dilemma und auch den weiteren eigentlich nicht näher erwähnenswerten Spielen unserer Mannschaft, kam nun Braunschweig ans Millerntor - mit neuem Trainer, neuem Glück? Es scheint so. Zumindest spricht das Ergebnis dafür: SIEBEN ZU EINS! Zwar hatte man in dieser Saison schon reichlich Gelegenheit, sich an solche Dimensionen zu gewöhnen, allerdings gab's Tore in ähnlicher Höhe bisher nicht auf der Haben-, sondern ausschließlich auf der Sollseite.
Die frühe Führung gab etwas Sicherheit und ein Stück des dringend benötigten Selbstvertrauens zurück. Die Freude nach dem 2:0 war kurz und der schnelle Anschlußtreffer der Braunschweiger ließ Erinnerungen an Ahlen wieder wach werden: die Abwehr begann gefährlich zu schwimmen und Braunschweig nutzte deutlich die entstandenen Lücken. Der fast sichere Ausgleich konnte jedoch verhindert und das 2:1 in die Pause gerettet werden. Nach der Pause dann die Gewissheit: Ein Ahlen II blieb uns erspart. Der frisch eingewechselte Ofodile eröffnete den Torreigen. Yang durfte nun endlich die Ernte seiner vergebenen Chancen aus Halbzeit I einfahren, und auch Stani, Ofodile und Meier ließen es sich nicht nehmen zu zeigen, daß ihre bisherigen Tore nicht nur Zufallstreffer waren. 7 Tore - bisher hatten wir noch nicht mal Torchancen in dieser Höhe.
Besonders positiv fielen die (mehr oder minder) Neuen auf: in erster Linie Ofodile merkte man an, daß er eigentlich nix zu verlieren hatte. Er konnte wesentlich unvorbelasteter ins Spiel gehen, da er die bisherigen Querelen nicht mitzuverantworten hatte. Aber auch "Chang" der im Gegensatz zu Lübeck diesmal zeigen konnte, was alles in ihm schlummert. Und nicht zu vergessen unser Youngster Alex Meier und unser Oldie Stani. Man merkte, daß diesmal eine Mannschaft auf dem Feld stand und nicht nur 11 Einzelspieler. Und schon allein der Wille dazu, kann so manches Wunder vollbringen...
Aber trotzdem: ob es wirklich gut war, daß das Ergebnis im Endeffekt SO hoch ausgefallen ist, weiß ich nicht. Denn letztlich täuscht das Ergebnis über einiges hinweg: z.B. das Schwimmen der Abwehr als ein Gegentor fiel. Und fraglich bleibt auch, ob Ofodile auch noch so ein hervorragender Joker ist, wenn er bei einem Rückstand eingewechselt wird. Und: wie ruhig bleibt es, wenn Patsche und Ince wieder zur Verfügung stehen? Es bleibt also die weitere Entwicklung abzuwarten. Was bleibt ist die Hoffnung, daß dieser Sieg den Zusammenhalt der Mannschaft fördert, denn das ist das A und O.
Überdies kam bei mir keine wirkliche Euphorie auf - auch nicht während des Spiels. Dafür stecken mir noch die bisherigen Ergebnisse, aber vor allem die vereinsinternen Vorgänge zu sehr in den Knochen. Es stieß mir auch sauer auf, als Gerber nach dem Spiel heftigst winkend die Gegengerade entlang ging, während mir Piepel dagegen geradezu bescheiden vorkam. Ich weiß, ich bin voreingenommen, aber das erlaube ich mir in diesem Fall, denn die Geschenisse rund um Franz Gerber waren bisher allesamt mehr als fragwürdig. Und ich möchte gerne wissen, wem ich in Zukunft zuzujubeln habe...
Vielleicht erfährt man Genaueres bei nächsten Fantalk. Dieser fällt laut Plakatankündigung am AFM-Container auf den 18.09.02 und soll mit Franz Gerber und Piepel im Fanladen stattfinden. An sich eine gute Sache, wäre da nur nicht die Ankündigung von Koch auf der AFM-Versammlung gewesen, noch vor der Mitgliederversammlung einen Themenabend mit dem kompletten Präsidium, Gerber, Piepel und weiteren Beteiligten im Clubheim durchzuführen. Und Potzblitz: er hatte, wenn auch unter Vorbehalt, exakt den 18.09.02 dafür vorgesehen. Die Hoffnung, daß es einen Ersatztermin für diese Veranstaltung gibt, kann ich wohl getrost begraben. Die Gesprächsbereitschaft des Präsidiums scheint, wenn es um Kritisches geht, nämlich stark zu sinken...
Zum Abschluß - erfreulich und gleichermaßen erstaunlich fand ich, was ich dann noch erleben durfte: Brigitte, mehr als unsere Clubheimseele, hatte am Tag nach dem Spiel Geburtstag und als Überraschung, sollte ihr um Mitternacht ein Ständchen auf dem heiligen Rasen gebracht werden. Ich staunte nicht schlecht, als ich durchs Marathontor ging: hatte sich dort im Mittelkreis doch wirklich alles versammelt, was Rang und Namen hat. Neben vielen Funktionsträgern aus AR, Marketing, usw. sowie der AFM, ließen es sich sogar Koch, Pothe und Gerber im hellerleuchteten Stadion nicht nehmen, die Leistung von Brigitte persönlich zu würdigen - und das um eigentlich nachtschlafende Zeit. Auch wenn es Brigitte sichtlich unangenehm war, im wahrsten Sinne des Wortes im/aufm Mittelpunkt zu stehen, freue ich mich für sie, denn sie hat es wirklich verdient. Übrigens habe ich von Kochs Ansprache so gut wie kein Wort verstanden: auf dem Rasen klingt unsere Lautsprecheranlage noch bescheidener als auf den Rängen. Das tat aber der guten Stimmung und der klasse Idee keinen Abbruch. Insgesamt finde ich es aber in der letzten Zeit schon recht auffällig, wie sehr "der Verein" durch Präsenz Bodenständigkeit und Zusammengehörigkeit (in einem von mir bisher unbekannten Maße) demonstriert - ein Schuft, der Böses dabei denkt...


SantaPaula

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LÜBECK - ST.PAULI
Mit gemischten Gefühlen und zwei Herzen in einer Brust ging's nach Lübeck. Ich habe für dieses Spiel noch nicht mal einen Tip abgegeben, weil ich nicht wußte, was ich mir mehr wünschte: einen Sieg, damit es mit meinem Verein wieder bergauf geht oder eine Niederlage als Genugtuung, weil ich Didis Rausschmiß immer noch für falsch halte.
Zum Spiel kann man eigentlich gar nix schreiben, weil es praktisch überhaupt nicht stattfand. D.h. irgendetwas fand schon statt, denn zumindest gibt es ein Ergebnis: 0:6 vergeigt.
Was soll man sagen, außer das von uns (zumindest anfänglich) 11 Spieler auf dem Platz standen - und wenn ich standen sage, dann meine ich auch sie standen! Selbst Gerdl Scharping, der von einem Filigrantechniker so weit entfernt ist, wie ein Nilpferd von einer Ballettkarriere, umkurvte unsere "Spieler" wie eine Eleve.
Aber ich mache den Spielern noch nicht mal einen Vorwurf. Auch wenn wir mit Sicherheit keine Spitzenfußballer im Team haben: ich glaube auch immer noch nicht, daß es bei allen am fehlenden Potential liegt. Sie können einfach nicht mit Druck umgehen - die ständigen Zusammenbrüche nach einem Gegentor sprechen da eindrucksvolle Bände. Die Mannschaft scheint völlig zerissen und m.E. untereinander auch total zerstritten. Obwohl: dies würde bedeuten, daß sie überhaupt miteinander kommunizieren. Und das passiert nicht, zumindest auf dem Feld nicht. Von einer Truppe, die zu einem Teil aus Selbstüberschätzern und zum anderen aus völlig demontierten Spielern ohne Selbstvertrauen besteht, erwarte ich nichts. Aber selbst bei den demontierten Spielern hält sich mein Mitleid stark in Grenzen: der Einzige, der ihnen noch was zugetraut hat, war Didi. Sonst hätte er sie nicht geholt. Daran, daß er nicht mehr da ist, tragen sie ihren eigenen Teil der Schuld bei. Den größten Druck haben sie sich also selbst auf die Schulter geladen.
Wer mir etwas leid tat, waren Yang und Gruszka - sind sie doch in eine Mannschaft hineingeraten, die keine ist und müssen nun die Suppe mit auslöffeln, die die anderen ihnen eingebrockt haben. Ansonsten - wie gesagt - keine Wut, keine Traurigkeit.
Ich glaube, noch nie habe ich ein Spiel so emotionslos gesehen wie heute. Ich habe die Tore zunehmend einfach über mich ergehen lassen, nahezu ohne Reaktion. Die Niederlage tut mir nicht weh, aber eine genugtuende Freude will sich auch nicht einstellen. Es ist einfach nur leer in mir - es waren keine zwei Herzen mit denen ich nach Lübeck gefahren bin: es sind die beiden Hälften eines Herzens, die in Schutt und Asche liegen.
Einen kleinen Lichtblick gab es noch, aber der kann im Moment leider am wenigsten ausrichten: Klaus! Der am Ende des Spiels in unsere Kurve kam und sich auch nicht von den Pfiffen vergraueln ließ, sondern versuchte den Kontakt zu den Fans wieder aufzunehmen und zu kitten. Nur fürchte ich, wenn sich nicht schleunigst in der Führungsriege etwas tut, daß seine Tage bei uns gezählt sind. Ich kenne seinen Vertrag nicht, aber ich kann mir bei der (damals noch behaupteten Finanzknappheit und dem schwebenden Ippigverfahren) nicht vorstellen, daß man ihm einen langfristigen Vertrag gegeben hat. Na ja, und wenn sich bestätigt, daß Ippig nun doch bleibt...
Entgegen anders lautender Ankündigungen, hat Gerber nun doch auf der Bank gesessen - natürlich nur als Platzhalter...
Die Vorstellung, daß dort unter Umständen bald ein Ingo Peter Platz nehmen soll, der - dem Vernehmen nach - ein noch vehementer Vertreter der Defensivtaktik sein soll, wird mir speiübel. In diesem Zusammenhang meinen besonderen Dank an Lübeck. Sie zeigten par execellence, wie man durch permanentes Toreschießen den Gegner zermürbt und erinnerten mich an unseren Hurra-Fußball, mit dem wir aufgestiegen sind. Und daran, daß ich immer noch die Hoffnung hegte, daß Didi in der 2. Liga wieder dahin zurückkehren würde - und nun kommt vermutlich Ingo Peter...
Ich mag nicht daran denken, welcher Schaden bis zur AR-Wahl noch angerichtet werden kann.
Wenn diesen Herren auch nur halb soviel am Verein liegt, wie sie behaupten, und sie wirklich nur annähernd das Wohl des Vereins im Auge haben, sehe ich nur eine Alternative: habt soviel Anstand, daß Ihr Euren Hut von allein nehmt und geht - und zwar sofort, damit endlich wieder Ruhe und Einigkeit eintreten kann! Gute Einzelspieler konnte und wird sich St.Pauli nicht leisten können. Von der einzigen Stärke, dem Zusammenhalt, mit der wir schon so manches Wunder geschafft haben, sind wir meilenweit entfernt. Und die dringend benötigte Harmonie, läßt sich nun mal nicht diktieren - auch nicht von oben.

Zu einem schon oftmals beschworenen "You'll never loose alone" kann ich mich im Moment nicht durchringen - und will es auch nicht. Diesen Freifahrtschein stelle ich den Verantwortlichen nicht aus.

PS: Ungeachtet der Fehler, die Didi definitiv gemacht hat und die ich auch nicht leugnen will, bleibe ich dabei: er hatte nie eine wirkliche Chance.


SantaPaula, 24.08.02

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ST.PAULI - AHLEN Ein ganz normaler Spielbericht...

Das 1:4 - ein Ergebnis mit Symbolcharakter?

Gerade so eben von dem Frankfurt-Debakel erholt, ging es einigermaßen frohen Mutes und optimistisch ins Stadion, um sich dann mitanzusehen, wie St.Pauli 1:4 abgeschlachtet wurde.
Mit jedem Tor mehr sank die Hoffnung, daß die 1:0-Führung aus der 1. Halbzeit noch was ausrichten könnte. Zu mächtig waren die 4 Tore, die am Ende dagegenstanden.
Aber der Reihe nach: wie es sich bei einen üblen Spiel gehört, kommen die Tore nacheinander.
Erst schien es, als wäre St.Pauli auf der Gewinnerstraße. Das 1:0 gab Hoffnung, doch dann kam die Halbzeit - der Break.
Erst war's nur ein Tor, aber kurz darauf folgte Tor 2. Es ging so schnell - fast unbemerkt -, man könnte meinen, Tor 2 war ein Mitbringsel von Tor 1.
Tor 3 ließ dann wiederum etwas auf sich warten, allerdings sprach dieses Torverhältnis recht deutliche Worte. 3 Tore - St.Pauli schien geschlagen. Der Aufbäumversuch wurde mit einer roten Karte unterbunden, St.Pauli mußte dezimiert weitermachen.
Da war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Tor 4 im Netz zappelte. Gleich im Anschluß folgte der Abpfiff: AUS - die Gegner haben gewonnen.
Merke: Ein Tor kommt selten allein!
Es wird Zeit, daß die Tore endlich fallen...

Ach ja: Jegliche Ähnlichkeit mit real existierenden Toren sind rein zufällig und nicht beabsichtigt!

SantaPaula, 20.08.02

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