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SAISON 2006/2007

PAULI - LEVERKUSEN II 2:0
EMDEN - PAULI 1:1
  Große Sprünge in Emden

Allee, Allee,
Allee, Allee, Allee,
eine Straße, viele Bäume,
ja, das ist eine Allee.

Zugegeben: Ich kannte diesen Gesang noch nicht. Umso glücklicher bin, dass er mir auf der Bahnfahrt nach Emden dargeboten wurde. Nun weiß ich endlich, worum es in diesen zahllosen "Allee-Allee"-Gesängen geht: Um so idyllische Stadionanmarschwege wie den in Emden. Durch Straßen mit vielen Bäumen, vorbei am Wald, an rauschenden Bächen und an neugierigen Ostfriesen, die, auf ihren Balkonen stehend, den Anmarsch der Allee-Allee-singenden Zeckenhorden verfolgten. Allzu erschrocken wirkte freilich niemand von ihnen, wie sich überhaupt die Ostfriesen an diesem Tage als ein sehr gelassenes, entspanntes und freundliches Völkchen präsentieren sollten.

Fußball wurde an jenem Samstagnachmittag in Emden auch gespielt. In der ersten Halbzeit von St. Pauli feldüberlegen gestaltet, mit der Konsequenz des 0:1 nach dreißig Minuten oder so durch Charles Takyi. Den Rest der ersten Halbzeit vermag ich nicht zu kommentieren, da ich diesen wartend am Bierstand verbrachte. So freundlich die Standcrew war, mit dem Andrang der durstigen Gästefans war sie überfordert.

In der zweiten Halbzeit besann der FC St. Pauli sich dann wieder auf das, was er schon immer nicht konnte: Ergebnisverwaltung. Mit der Konsequenz, dass die Emder immer mehr drückten und nach 70 Minuten zum - inzwischen längst verdienten - Ausgleich kamen. Die Schlussphase des Spiels sah einen auf den Siegtreffer drängenden BSV Kickers und einen scheinbar teilnahmslos auf der Trainerbank hockenden Andreas Bergmann. Gegen 16 Uhr endete ein Spiel, welches St. Pauli-seitig mit sichtlicher - und logischer - Frustration zur Kenntnis genommen, auf Emder Seite hingegen ausgelassen gefeiert wurde. Was ich nicht so recht verstand. Was gibt es an einem Heimunentschieden gegen einen Tabellennachbarn zu feiern? Dachte man da an die beiden Pleiten in der Vorsaison? Oder stellt St. Pauli aus Emder Sicht vielleicht immer noch einen großen Namen dar, ungeachtet des Herumgedümpels im unteren Mittelfeld der Regionalliga?

Ich habe es nicht erfahren. Auch nicht so recht, was es am Ende des Gespräches einiger Fans mit Andreas Bergmann nach dem Spiel am Zaun zu applaudieren gab. Auf jeden Fall, so viel habe ich erfahren, hat er dort nicht seinen Rücktritt erklärt. Das Unentschieden täte ihm leid, wurde berichtet - ob das für einen Applaus reicht, sei dahingestellt, auf jeden Fall steht mir als Nicht-Ohrenzeugen keine erschöpfende Bewertung des Disputs zu.

Die Anzahl derjenigen, die dem FC St. Pauli in dieser Saison noch große Sprünge in punkto Aufstieg zutrauen, dürfte sich in Emden weiter reduziert haben. Dennoch gab es an diesem Tag große Sprünge zu sehen.

Und zwar auf dem Rückweg vom Stadion zum Bahnhof durch die Allee-Allee. Diese enthält eine Brücke über ein Gewässer (dessen Name mir leider entfallen ist), und auf dieser Brücke traf unsere Reisegruppe - tira, watnu, der Dosenkicker-Champion und meiner einer - ein paar St. Pauli-Fans, die gerade dabei waren, sich bis auf die Unterhose zu entkleiden und ins Wasser zu springen. Dabei angefeuert, wenn nicht gar angestachelt von einem Eingeborenen, der in seinem Garten am Ufer des Gewässers, wenige Meter von der Brücke entfernt stand, die Stuntmen nach vollbrachtem Sprung in Empfang nahm und ihnen Handtücher gab. Damit sie sich abtrocknen konnten, um wieder auf die Brücke zu laufen und - zum nächsten Sprung übers Geländer zu klettern.

Der Herr im Garten stellte sich dabei als jemand heraus, der die Gästefans auf dem Weg vom Stadion offenbar systematisch zu solchen Heldentaten animiert. Dem ersten St. Pauli-Springer wurde bescheingt, durch seinen Einsatz hätte nun St. Pauli mit Rot-Weiß Oberhausen gleichgezogen.

Erstaunlich relaxt ging die Emder Polizei mit dem Brückenspringen um. Ein paar Streifen hielten kurz an, um dann weiterzufahren. Aus einer von ihnen stieg ein etwas älterer, hagerer Herr aus. Als nun alles damit rechnete, dass die Staatsmacht diesem - vermutlich verbotenen - Treiben ein Ende machen würde, bat der Herr in sehr freundlichem Tonfall darum, ein wenig Vorsicht walten zu lassen, da das Wasser unter der Brücke nicht besonders tief sei. Eine Bitte, der die Akteure unterschiedlich konsequent Folge leisteten.

Wenig später mischte sich ein eher jüngerer Polizeibeamter etwas gestrenger in das Geschehen ein. Das Springen von der Brücke sei doch bitte, wenn seitens der Anwohner nicht erwünscht, zu unterlassen. Eine insofern obsolete Bitte, als das genaue Gegenteil in Person des Herrn mit den Handtüchern längst hinreichend deutlich demonstriert worden war. Lediglich die Meinung der beiden - etwas weiter weg von der Brücke ihr Werk verrichtenden - Angler und eventuelle Sorgen ihrerseits dahingehend, die Brückenspringer könnten ihnen die Fische verjagen, haben wir nicht erfahren.

All dies konnte nichts daran ändern, dass an diesem Nachmittag in Emden große Sprünge vollzogen und bemerkenswerte sportliche Leistungen erbracht wurden. Nicht im Embdena-Stadion, sondern auf jener Brücke, die die Allee-Allee über das Gewässer mit dem uneinprägsamen Namen führt.

Was meinen Mitreisenden und mir das erfreuliche Fazit ermöglichte, dass sich die Fahrt nach Emden doch noch irgendwie gelohnt hatte. Und um das Ganze zu einem würdigen Abschluss zu bringen, beschlossen wir kurzfristig, den "eigentlichen" Zug nach Bremen um 17.18 Uhr nur bis Leer zu benutzen, um dem teils doch sehr unentspannten und niveauarmen Geschehen an Bord zu entgehen, ein wenig feste Nahrung zu uns zu nehmen und zwei Stunden später die Heimreise anzutreten. Zwar habe ich auch auf dieser nicht erfahren, wie man "Tostedt" richtig ausspricht, aber dennoch weiß ich seit diesem Tag ein wenig mehr. Was eine Allee ist, dass in Emden sehr relaxte Menschen - inklusive Polizei - hausen, und dass es in Emden große Sprünge gibt, wenn auch nicht unbedingt im Stadion.

pathos93





Bericht u.a. vom Spiel St. Pauli gegen Leverkusen II

Nachdem ich in der Rückrunde der letzten Saison, bedingt durch meinen Umzug von Hamburg ins Weserbergland, nur selten Gelegenheit hatte ans Millerntor zu kommen, schaffte ich es am 15.09. endlich mal wieder ein Freitagabend-Flutlicht-Heimspiel unseres geliebten FCs zu sehen. Wie zu erwarten war es gegen den Tabellenletzten leicht, eine Karte für die Gegengerade zu erstehen. Nach kurzen Besuchen bei Familie und Freunden am Nachmittag, fand ich mich wie üblich eine gute Stunde vor Spielbeginn am AFM-Container wieder.

Die bis zum Anschlag aufgedrehten Boxen auf dem Container rotzten moderne Tanzmusik auf das Heiligengeistfeld und mit einem Bierchen in der Hand konnte ich die umstehenden Doki, Paulchen, Orsen und Genua über die Vorzüge des Landlebens an der Oberweser informieren. Orsen versuchte mit Hundefotos abzulenken, Genua mit Reiseberichten aus Südfrankreich. Aber ein Anruf von Freunden, die schon in der Gegengrade auf mich warteten, erinnerte mich an den eigentlichen Grund meiner Reise. Bier war auch alle. Nun also schnell durch die Eintrittsschleuse, an der 30 Minuten vor Spielbeginn erstaunlich wenige Fans vorwärtsdrängelten.

Endlich auf den heiligen Stufen angekommen, gab es Gänsehaut pur. „Das Herz von St. Pauli“ intoniert von fast 17.000 Kehlen! Das Fanlied der Leverkusener wurde nicht gespielt, da aus der Chemiestadt kein einziger Gast gemeldet war ! Trotzdem füllte sich die Gästekurve erheblich: Der FC hatte seine Patenschaft-Grundschule in der Ludwigstraße eingeladen und etwa 700 Schüler, Eltern und Lehrer waren gekommen.

„Hells Bells“ dröhnte aus den Boxen -schon wieder Gänsehaut! oder noch immer?- und mit dem ersten Gitarrengriff liefen die Mannschaften angeführt vom Chemnitzer Schiedsrichter Thomas Gerber auf den Platz. Keine Blockfahnen und fast kein Konfetti im Block 1 der Gegengerade waren wohl ein Zeichen der Ultras, die nach dem grandiosen Spiel -trotz Niederlage- gegen die Lederhosen wohl noch sauer waren über den bescheidenen Kick in Wilhelmshaven.

Die erste Halbzeit begann sehr wechselhaft und ohne den erhofften Druck durch die „Kiezrocker“. Leverkusen konnte sich Chancen erarbeiten. Trotzdem fiel nach einer knappen Viertelstunde unerwartet das 1:0 durch eine Kopfball von Luz. Bis zur Pause gab es dann ein erbärmliches Gekicke. Not gegen Elend! Mit meinen Umstehenden wurde die Zeit genutzt die Bierqualität zu überprüfen und neuesten Hamburg-Tratsch auszutauschen. Wir verpassten eh nix.

In der Halbzeitpause bedankten sich die 700 Ludwigstraßen-Freikarten-Gäste indem sie „Das Herz von St. Pauli“ noch einmal zum Besten gaben. Großes Kino!

Zur 2. Halbzeit kamen Brückner für Joy und Schultz für Meggle. Eine sehr gute Entscheidung, denn beide brachten wesentlich mehr Schwung in die Partie als die ausgewechselten Stehgeiger. In der 53. Minute war es dann auch Bruns, der die Flanke zum Kopfball für Mazingu-Dinzey gab, den der stark spielende Luz zum 2:0 abstaubte. Leverkusen II machte danach keine Anstalten sich gegen dieses Ergebnis zu wehren.

Direkt nach dem Abpfiff machten mein aus Berlin angereister Kumpel und ich uns auf den Weg zur U-Bahn Richtung Rockspektakel auf dem Rathausmarkt. Pünktlich um 22 Uhr kamen wir genau rechtzeitig zum Auftritt von Abwärts. Mit Rod Gonzalez von den Ärzten an der Gitarre und Zabel von den Razors am Bass hatte Frank Z. im letzten Jahr nach 10 Jahren(!) wieder ein neues Album produziert. Jetzt rockten sie 60 Minuten den Rathausmarkt, auf dem sich inzwischen einige lautstarke St. Paulifans eingefunden hatten.

Fankollege Horni protzte mit mega-megapixeligem Kamerahandy, konnte allerdings sich selbst kaum stillhalten. Auf die Bilder bin ich sehr gespannt! Mit „Terrorbeat“, „Zonenzombie“, „Schiffe“ und zum Abschluß „Computerstaat“ rockten sich Frank Z., Gonzalez und Co. durch die komplette Diskografie! Unser reichliches Herumgezappel endet wie immer um 23 Uhr auf dem seit 1988 stattfindenden Rockspektakel.

Also wieder zurück zum Kiez. Nach einem kurzen Abstecher auf die 25 Jahr-Feier am Hafen und durch die üblichen Läden auf dem Hamburger Berg landeten wir am frühen Morgen zum Absacker im St. Pauli-Eck. Da gabs außer frisch gezapftem Astra noch gratis Wirtins Schmäh über unseren Vereinspräsidenten. Auf St. Pauli is alles beim Alten! Beruhigt gingen wir schlafen...

Am Samstag ging es nach dem Frühstück schon bald wieder Richtung St. Pauli. Mein Berliner Kumpel brauchte ein neues FC-Cap. Das alte hatte sich beim Kickern im Lunacy in Luft aufgelöst... Noch schnell einen Cappuccino bei Zardoz in der Ottenser Hauptstraße, ein paar bekannte Gesichter gegrüßt und ab gings um 16:28 Uhr mit dem IC Richtung Solling.

Ein gutbesuchtes Konzert in der Fährhaus-Kneipe in Oedelsheim am Weserufer, mit den lokalen Punkrock- und Partybands „BSE“ und „Z’s Dead“ -offensichtlich beide in großer Spiellaune- rundete dann am Samstagabend mein Spieltagwochenende ab. Jetzt sind erstmal 3 Wochen Pause -nach Emden fahre ich nicht- und dann geht’s hoffentlich munter weiter gegen die 2. Mannschaft des Vorstadtvereins.

Munter bleiben!
kreidler 09/06

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